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Venedig: Stille Wasser sind tief!

Das Wasser gibt den Ton an: ruhig und gelassen. Es ist allgegenwärtig. Statt Autoverkehr gleiten Vaporettis, Traghettis und die berühmten Gondeln über die Wasserstraßen. Rund 400 Brücken verbinden die 118 Inseln des historischen Stadtkerns, 180 Kanäle durchziehen die Altstadt. Der bekannteste davon ist der Canal Grande.

 Das Wasser gibt den Ton an: ruhig und gelassen. Es ist allgegenwärtig. Statt Autoverkehr gleiten Vaporettis, Traghettis und die berühmten Gondeln über die Wasserstraßen. Rund 400 Brücken verbinden die 118 Inseln des historischen Stadtkerns, 180 Kanäle durchziehen die Altstadt. Der bekannteste davon ist der Canal Grande.

Die meisten Menschen haben ein genaues Bild vor Augen, wenn Sie den Namen Venedig hören, schließlich ist die Stadt beliebter Schauplatz für Film, Kunst und Literatur. Man denke an die Shakespeare-Verfilmung  „Der Kaufmann von Venedig“ oder „Wenn die Gondeln Trauer tragen“ mit Donald Sutherland. Venedig ist Stadt der Musik (Vivaldi, Wagner, Tschaikowsky) und Stadt der Schriftsteller von Hemingway bis Highsmith, Thomas Mann, Donna Leon oder jüngst Cornelia Funke, die die schaurig-schöne Kulisse für ihre Kinderbande nutzt. Kein Wunder, dass die Lagunenstadt die Kunstschaffenden anzieht: Seine verwunschenen Plätze, spukhaften Gassen, die zerfallenen Häusern neben prunkvollen Palazzi und das geheimnisvolle Wasser überall regt bis heute die Phantasie an und bietet zudem eine optimale Bühne für große Auftritte. Schon der Adel im 18. Jahrhundert führte seine Kleider stolz auf den Campi vor. Einheimische und Touristen präsentieren alljährlich auf der schillernden Maskenparade im Februar Glamouröses: Zum Karneval in Venedig füllen sich die Gassen rund um den Campo San Polo mit Kostümierten. Es herrscht Volksfeststimmung.

Aber Venedig ist mehr als Touristentrubel. Es gibt durchaus menschenleere Gassen, stille Seitenkanäle und abgelegene Plätze und dort entfaltet es seine pure Schönheit.
Ruhe findet man zum Beispiel in den Wintermonaten, wenn der sonst mit Menschen überfüllte Markusplatz plötzlich von Hochwasser durchflutet ist und die Venezianer gelassen und lächelnd mit Gummistiefeln über die Piazza schlendern. Auch im Sommer gibt es lauschige Plätzchen mit atmosphärischen Bácari (Weinlokale), in denen Venezianer gesellig Ombra (typischer Wein) trinken. Am besten man lässt sich einfach treiben …

Venedig ist Poesie: Wenn sich der milchig trübe Nebelschleier in der Morgendämmerung über die blaue Lagune legt und die Holzpfähle ihre Schatten werfen. Venedig ist Verführung: Wenn die Silhouette aus Campanile, Salute Kirche und Turm von Burano sich gewichtig und ehrfurchtsvoll erhebt. Venedig ist Melancholie: Wenn kleine Boote, eingetaucht in schwachen Modergeruch, durch das stille Wasser gleiten und die Zeit vergessen lassen. Venedig ist Sinneslust: Wenn im Sommer schwül-fiebrige Luft an den Hauswänden klebt, Wein und Muscheln gastfreundlich aufgetischt werden. Venedig ist Rückzug: Wenn die Häuser eng beisammen stehen, als würden sie sich vor dem Wasser schützen, vor den Fenstern bunte Wäsche flattert, Umzugsboote in der Enge manövrieren, alte Frauen mit Taschen voll Gemüse schwatzend nebeneinander her gehen und sich alte Männer mit so vielen Falten wie Wasserstraßen, herzlich begrüßen. Und Venedig ist immer auch Klischee: Wenn schwarz lackierte Gondeln, touristisches Requisit Nummer eins, dicht an dicht fahren, gesteuert von jungen, singenden Italienern. Die Fahrten sind teuer und eher unromantisch, denn auf den  Brücken lüstern die Fremden auf der Suche nach dem typischen Foto-Motiv. Aber ganz kommt man ums Klischee nicht herum: Natürlich sind Seufzer– und Rialtobrücke, Dogenpalast und die Glasfabriken und Galerien in Murano ein Muss für jeden Besucher. Einmal sollte man sich auch einen Cappuccino für 7 € im berühmten Café Florian auf der Piazza San Marco gönnen: Das Ambiente (Samtsofas, gold verzierte Spiegel) ist faszinierend. 
Wenn sich die Sonne schließlich neigt, die Domglocken die Abenddämmerung einläuten und die Tauben die Essensreste vom Asphalt picken, verschwinden die Tagestouristen mit dem Vaporetti Nummer 82 in Richtung Bahnhof. Die Piazza San Marco flüstert Ciao, ein Geiger geigt unter den Arkaden ein trauriges Lied - Fleisch gewordene Sehnsucht. Zum Abschied fließen immer ein paar Tränen. Das also ist das Geheimnis des vielen Wassers.

 

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Ein Kommentar zu “Venedig: Stille Wasser sind tief!”

  1. März 7th, 2006 at 12:03 Uhr

    Ute-Unterwegs says:

    Karneval in Venedig hört sich gut an. Ich komme leider (zum Glück) nicht von Kölle weg. Aber geht’s da so ab, wie in der Südstadt an Altwaiber?

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