Sciacca
Scicca eine Stadt an der Südküste von Sizilien: Anreise, Übernachten, Einkaufen. Im Oktober/ November 2006 war ich in Sizilien. Ich wollte ans Meer, in einer eher ruhigen Umgebung, wo ich ein bisschen Schreibarbeiten erledigen und trotzdem italienisches Flair genießen konnte. So bin ich auf Sciacca (sprich „Schacka“) gekommen. Hier meine Eindrücke:
…ist eine Stadt an der Südküste von Sizilien mit ca. 40.000 Einwohner (ca. 100 km von Palermo). Wirtschaftlich bedeutsam ist Fischfang, Wein, Olivenöl, Kunstkeramik, Thermen (heiße schwefelige Quellen mit Kuranwendungen) und in der Umgebung gibt es einige Ferienanlagen entlang der Strände. Die Stadt liegt über dem Meer, ist sehr kompakt, mit vielen Gassen, hat eine schöne Piazza im Zentrum (Piazza Scandaliato) mit Palmen und Blick über den Hafen, umgeben von alten Gebäuden, wo man sich abends gerne trifft. Die Innenstadt ist voller Palazzi und Kirchen, die zum Teil renoviert werden, es herrscht viel Verkehr und überhaupt ist das Städtchen sehr umtriebig - typisch süditalienisch: Sehen und gesehen werden und miteinander kommunizieren ist sehr wichtig: Mit dem Auto einen kleinen Stau zu verursachen, weil man ein Schwätzchen halten will, ist kein Problem. Die Handys klingeln überall, selbst Rollerfahren und Telefonieren geht ganz hervorragend.
Sizilianer:
Sehr nett und gradeheraus, gehen miteinander respektabel um. Als Tourist muss man nicht viel italienisch sprechen können, ein paar Brocken sind meist ausreichend - die Sizilianer versuchen zu verstehen und schätzen es, wenn sich der Tourist in einer fremden Sprache versucht.
Ich finde die Sizilianer entsprechen nicht dem Bild des „Mezzogiorno“ (Lethargie und archaische Traditionen). Man ist sehr interessiert gegenüber den wirtschaftlichen, sozialen oder ökologischen Problemen der Insel und diese Themen werden rege und öffentlich diskutiert; wen wundert es: sind die Italiener doch eines der kommunikativsten Völker überhaupt. Lösungsansätze sind dagegen nur spärlich zu erkennen; es menschelt halt überall.
Anreise:
Flug mit HLX nach Palermo. Vom Flughafen aus gibt es einige Busse nach ganz Sizilien. Ein Bus (Prestia & Comande) fährt stündlich nach Palermo (Endstation Hauptbahnhof = Busbahnhof); man kann dazu auch die U-Bahn nehmen („Metropolitana“, komfortabel, ohne Stau und kostet soviel wie der Bus: ca. 5 Euro; Fahrt jeweils ca. 45 min.). Direkte Busse vom Flughafen nach Sciacca fahren um 10:55; 14:40; 15:55; 19:55; 21:55 Uhr ; zurück: 6:00; 12:30; 16:00 Uhr (Buslinie Gallo ca. 7,50 Euro; am Flughafen man bezahlt direkt beim Busfahrer). Von früh bis spät fahren Busse etwa stündlich vom Busbahnhof in Palermo nach Sciacca (Buslinie Gallo). Bustickets dafür kauft man sich an der Haltestelle am Schalter (bei „Sais“). Die Fahrt dauert ca. 90 Minuten. Die Busse halten zuerst am Stadtrand von Sciacca und dann im Zentrum (Via Agatocle): Von dort fahren auch die Busse in andere Teile Siziliens. Bustickets dazu werden in der nächsten Bar auf der nahegelegenen Piazza Saverio Friscia gekauft. (Busfahrpläne: Touristeninformation Flughafen, an den Ticketschaltern oder im Internet - Gallo: www.saistrasporti.it und Lumia: www.autolineelumia.it ).
Palermo:
Natürlich lohnt sich ein Zwischenstop in Palermo: Die Stadt allein ist schon eine Reise wert, oder nur einen Tagestrip, um sich mit italienischer Mode einzudecken. Sie ist voller Geschichte, es gibt Unmengen bedeutsamer Gebäude, viele Museen und zunehmend Galerien mit zeitgenössischer Kunst. Die Innenstadt wird seit einigen Jahren restauriert; wirtschaftlich blüht sie auf. Kriminalität spielt praktisch keine Rolle mehr: Die Mafia tötet meist in den eigenen Reihen, meist in den Vorstädten; und von anderen „Tätigkeiten“ z.B. Abkassieren des „pizzo“ bekommt der Tourist nichts mit. Die übliche Kleinkriminalität gibt es natürlich auch hier wie in jeder Großstadt; aber selbst Amsterdam ist da schlimmer.
Ein gutes, einfaches und günstiges Hotel ist das Conte - direkt in der Altstadt (in der Hauptsaison einige Wochen vorher reservieren). Vor dem Abflug kann man z.B. in der Pasticceria Oscar (Via Mariano Migliaccio/Viale Leonardo Da Vinci) oder der Pasticceria Svizzera (direkt in der Viale L. da Vinci) herrliches sizilianisches Feingebäck für zuhause einkaufen.
Orientierung:
Steigt man aus dem Bus, befindet sich oberhalb der Via Agatocle die Piazza Saverio Friscia. Links davon ein schöner Park mit alten Bäumen und Portraits aus Stein (Parco Ignazio Scatturo), davor die Focaccia - ein Stand, wo man sizilianische Fleischkost aufs Brot bekommt, u.a. Innereien. Gegenüber der Piazza ist ein kleiner Supermarkt (Sisa), wo man sich mit dem Notwendigsten versorgen kann. Links der Piazza sieht man ein altes Renaissance Gebäude mit einer Apotheke darin; links davon Gulliver (Vermietung von Fahrzeugen und Unterkunft). Hier trifft auch die Via Vittorio E. und Via G.Licata aufeinander. In diesen beiden Straßen befinden sich die meisten Geschäfte. Beide verlaufen etwa parallel zum Meer, so dass man sich gut daran orientieren kann. Dazwischen sind viele kleine Gässchen, welche die Straßen verbinden und wo man kleine Geschäfte, Restaurants usw. entdecken kann.
Informationen:
Es gibt eine Touristeninformation direkt am Flughafen (z.B. aktuellen Busfahrplan holen). Touristeninformation in Sciacca und Gulliver siehe bei Unterkunft. Wenn man nicht genau weiß, wo man ist oder wie man wo hinkommt, sollte man Passanten fragen - es erspart meist Zeit, schont die Nerven und man lernt Sprache und Leute kennen.
Unterkunft:
Wenn man in die Stadt kommt, findet man an der Bushaltestelle oder an Kreuzungen Schilder für Übernachtungsmöglichkeiten wie „Bed&Breakfast“ oder „Casa vacanze“ (Pensionen und Ferienwohnungen) - ein Anruf kann die Suche erleichtern. Bei der Touristeninformation - sehr freundlich - (Via Corso Vitt. Emm. 127, bei der Vicolo Ficani) oder bei Gulliver (Via Corso Vitt. E. Kreuzung Via G. Licata) bekommt man Tips: hier gibt es auch eine einfache Straßenkarte von Sciacca. Gulliver ist sehr komfortabel: die Mitarbeiter sind sehr nett, sprechen auch deutsch oder englisch, vermieten Ferienwohnungen am Strand, Apartments in der Stadt und natürlich Autos, Roller und Motorräder. Roller vermietet auch „Xacca“ in der Via Cappuccini (Nähe Fischmarkt) - angeblich günstiger.
Conte Luna (Vicolo Gino/Via G. Licata; im Zentrum, beim Dom - man hört die lauten Glocken): das Haus hat schöne, saubere Zimmer und auch Apartments für mehrere Personen. Einfach die Nummer, die auf dem Schild steht anrufen und ein paar Minuten später ist der Besitzer der Pension da - sehr nett (spricht italienisch, französisch und mit Händen und Füssen, wenn es sein muss). Preis ca. 25 Euro pro Person und Nacht - ca. 300 m von der Bushaltestelle.
Ein Apartment, das man (wenn frei) auch längere Zeit mieten kann, liegt in der Piazzetta Testone - allein oder auch für mehrere Personen, mit Bad, Küche, Balkon zum Meer; sehr ruhig gelegen, soweit das in Sciacca möglich ist. Einfach bei dem Schild klingeln oder die Telefonnummer wählen. Die Besitzerin spricht nur italienisch.
Gut und gepflegt soll sein das Al Moro (Via Liguori - Nähe Obstmarkt; Bed & Breakfast). Wer sich den Urlaub verderben möchte, steigt ab im Hotel Paloma biancha (Via Figuli) und wer das nötige Kleingeld hat, geht in das mondäne Kurhotel Grand Hotel delle Therme, Piazza delle Therme.
Restaurants und Bars:
IL grappolo (Via Conzo): gut und günstig; mit vielfältiger sizilianischer Küche.
Trattoria La vecchia Conza (Via Pietro Geraldi) u. Osteria Cappellino (Cortile Cappellino): Fischspezialitäten.
L‘Arco Antico Pizzeria (Corso Vitt. E.), La Grotta (Via F.Incisa) einfache Pizzerien.
Bestes Restaurant wie ich fand - nicht billig: Hosteria del Vicolo (Vicolo Sammaritano).
Bars: Es gibt viele. Gut fand ich Bar Olimpia (Via G.Licata), die kleine Bar Caffè della Piazza (Piazza Scandaliato) u. Bar Odeon (Piazza Carmine). Eine weitere gute Pasticceria (Baby Luna) und ein gutes Restaurant (Badia grande) findet man auf der Piazza G. Noceto.
Einkaufen:
· Lebensmittel kann man im Supermarkt (Sisa) kaufen - es gibt zwei kleinere (Piazza Saverio Friscia und Piazza Carmine) und einen großen vor der Stadt (Via Madonna Rocca/Via Verona - Mittwoch mittags geschlossen, etwa 400 m vom Fischmarkt). Daneben gibt es viele kleinere Lebensmittelgeschäfte, Bäckereien (Panificio) usw. besonders auf der Via G. Licata oder weiter entlang der Via Cappuccini - man muss also nicht lange suchen. Gute Wurstwaren bekommt man bei Anticha Salumeria Bulino. Gutes Feingebäck (Pasticceria) gibt es in der Bar Olimpia - wird morgens frisch zubereitet und ist gegen Mittag meist ausverkauft (beides auf der Via G.Licata).
· Fischmarkt direkt an der Piazza Don Luigi Sturzo - am oberen Stadttor.
· Obst- und Gemüsemarkt: Direkt neben der Bar Olimpia.
· Wein: Sehr guter lokaler Wein, sowie Olivenöl, Honig usw. gibt es sehr günstig in der kleinen Cantine Riunite della Sciacca (Via Ovidio).
· Für Keramik ist Sciacca berühmt. Die Künstler haben besonders entlang von Via G.Licata und Corso Vitt. Emmanuelle ihre Galerien. Zum Teil sind die Werkstätten angeschlossen und man kann einen Einblick in die Herstellung bekommen.
· Italienische Espressobohnen frisch geröstet kann man in sechs verschiedenen Sorten in der Via G.Licata, 55 in der Kaffeerösterei Cusuma Laura kaufen.
· Kleidung, Handtaschen, Schmuck, Schuhe: Kann man kaufen, bis man umfällt - man ist schließlich in Italien.
Thermen:
Sciacca war einmal eine Kurstadt von Rang. Heute sind die Thermen finanziell ruiniert. Man kann weiterhin Kuren machen oder einfach nur im warmen Wasser schwimmen (Piscina Termale, ca. 4 Euro; Sonntag nachmittags geschlossen - man braucht eine Badekappe, gibt's für ca. 1,50 Euro), aber es geht bescheiden zu. Die Thermalanlagen sind östlich der Via Agatocle (Bushaltestellen) gelegen. Dort befindet sich auch ein grauenhafter Betonblock, der aussieht wie Tschernobyl. Es ist das Stadttheater, das vor ca. 20 Jahren gebaut wurde und in der letzten Bauphase wohl bankrott ging. Seither wird es von den Vögeln genutzt und manche glauben noch an eine Fertigstellung. Ein Theater braucht es aber auch nicht, die Straßen sind voll davon.
Preise:
Eher günstig bis moderat verglichen mit Deutschland oder z.B. Palermo. Mieten und Immobilien sind sehr günstig.
Geldautomaten:
Gibt es überall in der Stadt; wer ein Konto bei der Post hat, hebt wahrscheinlich am billigsten am „Postomat“ der Post (Via F.Incisa) ab.
„Siesta“ in Süditalien:
häufig sind Geschäfte usw. um die Mittagszeit geschlossen (gilt für kleinere Städte).
Reisezeit:
Der Oktober und November ist noch sehr angenehm, wenn auch nicht zum Baden geeignet (ca. 20 °C Luft und Wasser). Ich habe die noch relativ starke Sonne und die milden Temperaturen genossen - während man zuhause die Winterreifen aufziehen musste. Die meisten Touristen kommen im Sommer zum Baden oder Segeln. Aber Sizilien ist im Winter natürlich auch zu bereisen, nur besitzen die Häuser oft keine richtige Heizung und sind schlecht isoliert. Wer hier Land besitzt oder sich an der Aufforstung beteiligt, sieht das natürlich anders, für den ist der Winter ideal. In dieser Zeit wird auch viel gebaut und renoviert.
Umgebung:
Mit dem Roller, Bus oder Mietwagen ist man schnell bei den Badestränden, in Caltabellotta, Noto, Agrigento, Marsala oder was einen sonst interessiert.
Parken:
Unterhalb des Zentrums: Parkplatz bei der Via Agatocle; westliche Seite der Piazza Scandaliato (nicht kostenlos); entlang der Straßen zum Hafen oder im Hafen selbst (hier gibt es auch ein nettes Hotel („Aliai“, Via Garaffe) mit Trattoria nebenan (Nähe Yachthafen; Küstenwache); Oberhalb des Zentrums: Piazza Noceto. Oder einfach Parken, wo noch ein bisschen Platz ist.
Navigation:
Ich hatte meinen PDA (ASUS Mypal A636N) mit Navigationssoftware (tomtom 5.0) dabei. Es ist vielseitig mit integriertem GPS Empfänger, WLAN usw., schnell, ausdauernd, robust und passt in die Hosentasche oder Jacke. Die Software funktioniert einwandfrei, Installation problemlos. Ich hab noch das Hafas installiert, weil ich viel Zug fahre. Unterwegs kann man mp3 Musik hören, sich Notizen machen, ein Wörterbuch benutzen, Excel Tabellen studieren … ; aber das wichtigste: es macht Spaß, sich auf Reisen gleich zurecht zu finden.

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