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Paris, mon Amour

Seine oder nicht Seine? Das war nie die die Frage. Schon nach dem ersten Französischunterreicht in der siebten Klasse verabredeten wir Mädchen uns für 99 Mark zu einer gemeinsamen „Rainbow-Bustour“ nach Paris, um zu gucken, was es mit Francois, Gilbert und Renée wirklich auf sich hatte. Die Nacht verbrachten wir in unbequemen Sitzen dösend auf der hell beleuchteten belgischen Autobahn und fanden uns nach 10 Stunden Fahrt am frühen Vormittag vor dem Moulin Rouge wieder, wo Trauben von Touristen die Nacht zum Tag gemacht hatten. Seitdem bin ich süchtig nach dieser nimmermüden Weltmetropole.

Es gibt nichts, was Paris nicht hat: Kathedralen, Konsumtempel, Spitzenrestaurants, Straßencafés, Sex, Romantik, futuristische Viertel, Leben unter den Brücken, Luxus, Anmut, Dreck, Delikatessen, Mode, Machtzentren, Einsamkeit, Glamour, Gossen, eine dicht vernetzte Unterwelt. Paris ist geschichtsträchtig, Schauplatz von Revolutionen und Zentrum von Trends, jung und kreativ. Afrikaner und Asiaten, Clochards und Haute Couture - alle Kulturen und soziale Schichten prallen aufeinander.

Es gibt nichts, was nicht schon über Paris gesagt worden ist. Und dennoch birgt die Stadt bei jedem Besuch viele neue Geheimnisse. Wer sich einmal nicht ins touristische Treiben begibt, der entdeckt jenseits der urbanen Hot Spots verborgene Hinterhöfe, abgelegene Passagen und einsame Sackgassen.

Es sind nicht die berühmten Bauwerke und bekannten Museen, es ist nicht das Centre Pompidou, der Père Lachaise und das Lächeln der Mona Lisa, die einen in den Bann ziehen. Nicht nur! Es ist die Vielfältigkeit, der unverwechselbare Charme und die anregende Atmosphäre. Eines der schönsten Komplimente an die Stadt stammt von Heinrich Heine: “Wenn der liebe Gott sich im Himmel langweilt, dann öffnet er das Fenster und betrachtet die Boulevards von Paris.“

Ein paar Sightseeingklassiker dürfen aber in keinem Programm fehlen, vor allem nicht, wenn man mit einem „Paris-Anfänger“ unterwegs ist, so wie ich an diesem sonnigen Winterwochenende. Allen voran der Eiffelturm. Für 3,80 € geht es per Pedes bis auf die zweite Plattform hinauf. Etliche steile Stahlstufen später genießen wir einen guten Überblick über die Millionenstadt: hinten am Horizont kratzen die Hochhäuser von La Défense an den Wolken, die goldene Kuppel des Invalidendom glänzt in der Sonne, die Seine schlängelt sich durch das Häusermeer und die Tuilerien offenbaren sich ganz unverblümt aus der Vogelperspektive.

Eine nicht minder so schöne Aussicht bietet der höchste Hügel der Stadt: Montmartre. Auch der Künstlerhügel ist gut zu Fuß zu erklimmen, vorbei an dem malerischen Montmartre-Friedhof, auf dem Emile Zola und Alexandre Dumas in dekadenten Gruften ihre letzte Ruhe gefunden haben und obdachlose Katzen in der Sonne dösen.

Auf dem Place du Tertre portraitieren Pseudomaler Touristen. Im Hintergrund türmt sich malerisch die weiße Basilikia Sacre Coer auf – die Stadt der Liebe liegt einem zu Füßen.

Mit der perfekt ausgebauten Metro (2-Tagesticket für 14 € p.P.) fahren wir bis zur Station Champs Elysées; einmal stilvoll schlendern. Sie gilt mit ihren Prunkbauten als eine der schönsten Straßen der Welt. Die Abenddämmerung hat bereits eingesetzt als wir an die Uferpromenade der Seine abtauchen. Bis zur Dunkelheit spazieren wir am Wasser entlang, in dem jede Menge Hausboote leise knarrend vor sich hin dümpeln.

Über die Pont Royal gelangen wir auf den Boulevard Saint Germain im gleichnamigen Intellektuellen-Viertel, das einst die Pariser Bohème bevölkerte. Cafés wie das Deux Magots werben damit, Sartre, Camus und Bouvoir als Gäste bewirtet zu haben und nehmen dies als Rechtfertigung für überteuerte Preise.

Um Mitternacht sind die Bars, Jazzclubs und Kneipen voll mit Existentialisten der Sorbonne. Wir folgen einem Tipp aus dem Reiseführer und nehmen einen Drink im „Les Etages“: eine hippe Bar auf mehreren Etagen mit nicht wirklich guten Longdrinks.

Tags darauf nutzen wir die Gelegenheit zum Sonntagsshopping im jüdischen Viertel Marais mit einer bunten Mischung aus traditionell jüdischen Händlern, trendigen Boutiquen und Galerien. Vor den koscheren Falafelbuden stehen junge Menschen schlange. Am Place des Vosges suchen wir den Issey Miake Showroom, der leider geschlossen hat. Dafür säumen herrliche Herrenhäuser und Arkaden den Platz. Ein Geigenspieler begleitet unseren Weg. Unter seinem Fellmantel trägt er ein T-Shirt mit der Aufschrift „Paris mon Amour“.

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