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Neapel sehen und nicht st

Donnerstag, ein wolkenloser, blauer Himmel begeisterte mich zusehends und meine Ankunft in Neapel stand kurz bevor. Ich hatte noch etwas Zeit bevor unser
Schiff die endgültige Liegeposition in Neapel einnehmen konnte.So stand ich an der Reling und beobachtete das ankommende Lotsenboot, das unser Schiff sicher
geleitete und dachte dabei an den Anfang meiner Reise.
*
Zwei Tage vorher kam ich mit dem Flieger in Italien am Airport Milano-Orio al Serio an und erhielt zu meinem verwundern sehr  flott  meinen Koffer.
Zum Glück leistete ich mir kurz vor meiner Reise einen Neuen, bordeauxrot mit vier Rollen, einfach nicht zu übersehen und angenehm zum schieben.
Man braucht kaum Kraft, denn die vier Rollen laufen wie geschmiert.
Auch wenn das laufen damit kinderleicht  war, wurde es mir doch nach einer Viertelstunde zu viel, weil ich mehrmals mit dem Koffer  vor dem Flughafen hin und her lief und den mir beschriebenen Reisebus nach Genua nicht fand.
Das Wetter war grauenhaft, im warsten Sinne des Wortes, grau in grau und es nieselte, was meine Laune nicht gerade hob.
Mir kam mittlerweile etwas Panik auf,weil ich den Bus einfach nicht finden konnte und erreichte diesen erst nach mehrmaligem Nachfragen mit meinen extrem wenigen Italienischkenntnissen in der letzten Minute. Er parkte unscheinbar hinter einem großen Reisebus in der zweiten Reihe und einige Mitreisenden nörgelten bereits herum, weil immer noch Gäste fehlten.Zum Glück war ich nicht die allerletzte.
Mit diesem Zubringerbus ging es dann ca. 1,5 Stunde durch die Apeninnen nach Genua, um dort auf das von mir gebuchte Kreuzfahrtschiff einzusteigen.Ich döste ein wenig vor mich hin und konnte meine Beine bequem an die Seite legen, da ich als Einzige keinen Sitznachbarn hatte.
Der Bus fuhr von den Bergen Richtung Hafen hinunter und ich sah sofort ein riesiges Schiff mit dem bekannten Zeichen der Reederei an seinem großen Schornstein..
Wow dachte ich, so groß hab ich mir es nicht vorgestellt.Ein Traum in weiß.
Mein Traum platzte aber kurz darauf wie eine Seifenblase da ich auch diesmal wieder was übersehen hatte.

Nämlich das kleine, recht unscheinbare Schiff rechts daneben.

Ich schluckte erst einmal, denn so klein hatte ich es mir auch nicht vorgestellt. Na egal, das ist oft gemütlicher und familiärer als ein großes Kreuzfahrtschiff.
Wir mussten noch einige Zeit im Bus bleiben, da im Hafengebiet sehr viel modernisiert wurde und die Busse daher nur Einzeln und langsam in das Terminal einfahren konnten um die Passagiere sicher aussteigen zu lassen.

Mit meinem Koffer stand ich kurz drauf in einer elendslangen Schlange zum einchecken. Ich dachte das gibt es nicht.Nichts ging vorwärts.Noch ne halbe Stunde und noch eine und so weiter,dabei wollte ich mir die Stadt so gerne ansehen.Ich hatte mir 3 Stunden eingeplant, aber erstens kommt es anders zweitens als man denkt.
Genua mit seinen alten Palazzi ist immer eine Ansicht  wert, nur diesmal ohne mich.
Obwohl ich mir bereits öfters die Stadt angesehen hatte,  fand ich es sehr schade diesmal aus Zeitgründen die Geburtsstadt von Kolumbus nicht ansehen zu können. Gerade der Palazzo del Principe, den das damalige Stadtoberhaupt von Genua mit Namen  Andrea Doria (1466-1560) bauen ließ,wollte ich mir eigentlich diesmal genauer ansehn.
Da ich viel und gerne fotografiere  sind die Säle und Privaträume von ihm mit ihren Fresken und Bildern sowie der wunderschöne Park für mich lohnenswerte Objekte.
Andrea Doria, der mit seinen stattlichen 1,90m Größe den durchschnittlichen Italiener um ca. 30 cm überragte, galt als der unbesiegbare Seeadmiral durch seine Siege gegen Türken und Barbaren.Den Namen Andrea Doria kannte ich bis vor kurzem nur von Udo Lindenberg und worüber er sang, nämlich das 1956  untergegangene italienische Schiff.
Upps, italienisches Schiff, am besten nicht weiter daran denken.

Endlich stand ich an Deck meines Schiffes und war froh die gesamte Prozedur des Eincheckens wie Reiseunterlagen, sowie Pass -und Sicherheitskontrolle, das Foto für den Bordausweis, das auffinden meiner Kabine hinter mich gebracht zu haben, und beobachtete gespannt das ablegen.
Die Stadt die so traumhaft an  den Bergen liegt  vom Wasser aus zu sehen, an dem drittgrößten Leuchtturm der Welt langsam vorbei zu fahren und dabei mir einen Cocktail zu gönnen, ist einfach berauschend.
Es ist für mich immer fantastisch dieses Auslaufen zu erleben. Ich weiß noch wie ich das erstemal
an Deck eines Schiffes stand, es war in Sydney-Australien.
Die Musik spielte ..I’am sailing..und ich bekam eine wahnsinns Gänsehaut.So etwas beeindruckendes hatte ich in meinem ganzen Leben nicht erfahren.
Das Schiff fängt an zu vibrieren, die Schrauben schäumen das Meer auf, Leinen los und langsam beginnt sich das Schiff vom Pier zu lösen.
*
Jetzt kam die Durchsage das wir als Passagieri das Schiff in Neapel verlassen dürfen und ich tauchte schnell wieder in die momentane Zeit ein um ja nichts zu verpassen.
Schade war nur das ich bisher keinen Anschluß gefunden hatte.Ein  wirklich attraktiver, Einzelreisender  Mann war mir zwar aufgefallen, aber er hielt sich leider immer nur kurz irgendwo auf, so hatte ich keine Chance mit ihm zu reden.
Ich war nicht  auf einen Flirt aus, sondern wünschte mir einfach einen netten Begleiter.Zu zweit macht es doch meist mehr Spaß.
Ich verließ das Schiff mit meinem kleinen Rucksack auf dem Rücken, um auf eigene Faust Neapel zu erkunden.Die meisten Passagiere waren mit Bussen nach Pompeij unterwegs, aber das kannte ich bereits alles von einer anderen Cruise.So wollte ich mir dieses mal die Stadt anschauen.
Direkt am Kreuzfahrtterminal fahren  die roten „Hop-on-Hop-off“-Busse zur Standrundfahrt ab und ich steuerte darauf zu um mich zu erkundigen was es denn kostet.
Kaum stand ich vor dem Bus und mit mir noch etliche andere Pasagiere um mich über die Preise zu erkundigen, da sah ich Ihn. Er stand einige Meter vom Bus entfernt und schaute interessiert herüber.Ich freute mich darauf Ihn endlich ansprechen zu können, doch als ich mich wieder umdrehte war er wie vom Erdboden verschluckt.
Schade.Da ich hoffte Ihn vielleicht noch irgendwo zu sehen machte ich mich zu Fuß in die Stadt auf.

Schlenderte auf der bekannten Einkaufsstraße der  Spaccanapoli-Straße durch das Altstadtviertel, das Centro Storico mit seinen Kirchen, verfallenen Palästen und schmalen Gassen in denen sich die  ausländischen Taschenverkäufer, natürlich echt Prada oder Gucci, um die Touristen balgen.
Es macht viel Spaß den Trubel zu sehen.Natürlich kaufte ich als Taschenfan  eine schöne schwarze Ledertasche, als Frau kommt man  nie ohne vorbei und die 10 Euro sind sie allemal wert.Nur darf man sich in Italien nicht beim kaufen erwischen lassen, da es hohe Geldstrafen hagelt wenn man diese Fakes kauft.
Fantastisch anzusehen auch die Via San Gregorio Armeno, die Straße der Weihnachtskrippen, die man sich auf jeden Fall ansehen sollte. In der Weihnachtszeit werden die Geschäfte mit den originellen Miniaturfiguren von tausenden Touristen besucht.
Ich lief gemütlich bis zum  Archäologischen Nationalmuseum mit seinen einzigartigen Exponaten aus der Zeit des griechischen und römischen Altertums. Die Sammlung Farnese und die Funde von Herculaneum und Pompeji machen dieses Museum zu einem der sehenswertesten unserer Welt. Neben den riesigen Skulpturen  die wunderschönen, alten Mosaiken, darunter die Alexander-Schlacht.Ich machte viele tolle Fotos und entschied mich dann mit einem Taxi weiter zu fahren, da mir mittlerweile die Füße brannten.Der Taxifahrer konnte zum Glück Englisch und so konnte ich mich gut unterhalten, er zeigte mir viele sehenswerte Ecken von Neapel.
Wie unter anderem die mächtige Festung Sant’Elmo, diese liegt auf dem Vomero und ist mit der Seilbahn, die Funiculare, zu erreichen. Funiculi, funicula  kennt ja fast jeder, das es ein altes Volkslied ist, das man zur Eröffnung der Seilbahn imJahre 1880 schrieb, wusste ich auch nicht.Am Fuße des Kastells liegt der prunkvolle Klosterkomplex Certosa di San Martino.Dann der Palazzo Reale, es ist heute ein öffentliches Gebäude und ist
seit 1925  Sitz der neapolitanischen Nationalbibliothek und des Museums Palazzo Reale. Mein Taxifahrer, mit Namen  Pietro zeigte mir  den fantastischen Blick über Positano, der sogenannten Perle der Amalfiküste mit seinen vielen rosa und weißen Häusern an den steilen Hängen, die terassenförmig zum Meer hin angelegt sind.
Und natürlich die Inseln Capri, Ischia und Procida, die ich aus der Ferne gut erkennen konnte.Leider hatte ich nicht so viel Zeit um mir wenigstens Capri anzuschauen, aber alles geht einfach nicht bei dem kurzen Aufenthalt.
Ganz interessant fand ich auch die vielen dicken Vorhängeschlösser  an einem Geländer mitten in der Stadt.Dort  wurden sie von Liebende angebracht, die sich nicht mehr trennen wollen und die den passenden Schlüssel nach dem anbringen wegwerfen, damit das Schloß nie mehr aufgeht.
Pietro zeigte mir  auch  das Porta San Gennaro in der Via Foria.
Dieses Tor wurde Mitte des 15. Jh. nach Versetzung der Stadtmauern wieder aufgebaut. In einer großen Nische kann man die Überbleibsel eines Freskos aus dem 17. Jh. sehen und das Castello Nuovo, das ein wichtiges Monument Neapels ist, in dessen Burg sich heute das Museo Civico mit der Stadthistorischen Sammlung  befindet.
Ich war ja nun wieder direkt am Hafen und verabschiedete mich von meinem netten Fahrer um mir noch wenigstens einen leckeren, nußbraunen  Caffe alla napoletana mit seinem aromatischen Duft zu gönnen, den er mir sehr empfohlen hatte.

Kaum saß ich in  der winzigen Bar und roch an dem verführerischen Kaffee, da stellte plötzlich  jemand ein Glas Likör dazu.Ich schaute auf und war reichlich verdutzt.Es war der nette Mann vom Schiff, der mir lachend mit einen heimischen Limoncello, einem Likör aus den großen Zitronen unterhalb des Vesuvs, zu prostete und sich als Steven aus  Kapstadt vorstellte.
Erfreut ihn zu sehen kamen wir schnell ins Gespräch.Er hatte mich morgens auch vor dem Bus gesehen und erwägt mich anzusprechen, da er aber festgestellt hatte, das er seine Kamera liegen gelassen hatte, ging er nochmals zurück auf das Schiff.Auch er bedauerte das wir den Tag nicht gemeinsam verbracht hatten, aber er freute sich das ich mit ihm Limoncello trank.
Nachdem wir uns noch einen zweiten Likör gönnten, gingen wir zusammen laut schwatzend und lachend  zum Schiff und schauten uns  gemeinsam die Ausfahrt aus dem Hafen vom Pooldeck aus an.Jeder noch ein Glas Limoncello auf Eis in der Hand, denn Steven hatte in der Bar eine ganze Flasche gekauft.
Von da an hatte ich für die ganze Reise einen wunderbaren Freund, der für mich auch nur ein Freund blieb weil er bereits gebunden war.Seine Frau kann  den Seegang nicht vertragen, aber er liebt das Meer und die Schiffe, so machen sie manchmal getrennten Urlaub.
Neapel wird mir immer in Erinnerung bleiben, weil ich dort den  herzlichsten und freundlichsten  Menschen kennengelernt habe, dem ich jemals begegnet bin und ich bin sicher  das wir für immer Freunde sein werden.Sein Wissen und sein Humor begeisterte mich auf der ganzen Reise und wenn wir zusammen waren kam nicht eine Minute Langeweile auf.Mittlerweile habe ich auch seine Frau telefonisch kennengelernt  und auch sie wird bestimmt eine gute Freundin werden, da ich mit ihr genausogut lachen kann wie mit Steven.

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3 Kommentare zu “Neapel sehen und nicht st”

  1. Februar 14th, 2008 at 20:02 Uhr

    aufeinneues says:

    Wow, suuuuuuuuuuper Bericht, hat mir mega gut gefallen! Auch hier volle Punkte bzw. Sterne!

  2. Februar 16th, 2008 at 23:02 Uhr

    Anka says:

    Echt superklasse diese Story, da kann man nur volle Punkte geben!

  3. Februar 17th, 2008 at 11:02 Uhr

    Acquaria says:

    Nicht schlecht geschrieben, gut

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