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Dilara und Moseh

Dort, ein paar Meter vor ihnen stand eine kleine, uralte Frau und schaute auf Sarah. Sarah erwiderte den Blick und die beiden sahen sich an. Es war fast, als gäbe es ein unsichtbares Band zwischen ihnen. Die alte, runzelige Frau kam Sarah seltsam vertraut vor.

Plötzlich gab es eine besonders heftige Sandböe. Der Sand fuhr Sarah beißend in die Augen und als sie wieder aufsah war die alte Frau verschwunden.

„Was war das?“ fragte sie Giovanni. „Sie kam mir so seltsam bekannt vor, dabei bin ich mir sicher sie noch nie zuvor gesehen zu haben.“

„Ich weiß es auch nicht“, antwortete Giovanni. „In jedem Fall sollten wir lieber wieder zurück auf das Schiff und warten bis der Sandsturm endgültig vorbei ist.“

 

Der Sandsturm peitschte immer noch über das Land. James fluchte. Er hatte sich schon ein Tuch vor den Mund gebunden, aber es war fast nutzlos. Wie tausend kleine Nadelstiche prasselten die feinen Sandkörner auf die Haut. Er hatte Giovanni versprochen noch einmal nach der alten Frau zu sehen, ansonsten wäre er in dem Sturm sicher nicht noch einmal von Bord gegangen.

James war fast wieder an der gleichen Stelle angekommen an der zuvor die alte Frau gesehen hatten. Der tanzende Sand verdunkelte zwar den Himmel, aber er war sich sicher es war die richtige Stelle. Er ging noch ein paar Meter weiter, da sah er es. Es war eine Lücke zwischen 2 Gebäuden. Dorthinein musste die alte Frau verschwunden sein.

James schaute sich noch einmal in der Gasse um und trat dann in den schmalen Gang. Hier war es zwar noch etwas dunkler, aber wenigstens auch nicht so windig. Er war erst ein paar Schritte zwischen den Häusern gegangen, als er etwas hörte. Es klang wie Gesang. Nur leise und wegen dem tobenden Sturm kaum zu hören, aber es klang wie eine Frau.

James ging langsam weiter und der Gesang wurde lauter. Er erreichte einen Türeingang zwischen den Häusern. Das singen war nun deutlich zu vernehmen. James drückte sich flach an die Wand und versuchte durch den Eingang zu schauen. Eine Tür gab es hier nicht, nur den gemauerten Türeingang. Dahinter war ein Raum, mit Teppichen behangen und von einer Kerze spärlich beleuchtet. In dem Raum, möglicherweise war es in Ägypten so etwas wie das Wohnzimmer, saß die alte Frau mitten auf einem wunderschönen großen Teppich und sang. Sie hatte eine Büste vor sich auf dem Boden liegen und James konnte erkannte plötzlich wer mit der Büste dargestellt war. Er erstarrte. James wollte seinen Augen nicht trauen. Es war Sarah!

Wie kam die alte Frau an eine Skulptur von Sarah? Konnte jemand etwa so schnell und ganz ohne Modell eine Büste herstellen? Das war unmöglich und außerdem sah das Ding irgendwie alt aus. Es schien aus einem Block Stein gefertigt zu sein.

James wollte nur noch so schnell wie möglich zurück auf das Schiff. Er musste Giovanni davon berichten und gemeinsam könnten sie überlegen was weiter zu tun wäre. James drehte sich abrupt um und stand plötzlich vor einem kleinen ägyptischen Jungen. „Hallo Mister“, sprach der ihn in perfektem Englisch an. „Wir haben schon auf sie gewartet! Kommen Sie, wir erklären ihnen alles. Sie haben doch bestimmt Durst nach dem ganzen Sand. Kommen Sie!“ James war verblüfft und sprachlos. Er wusste nicht, was er dazu sagen sollte und lies sich von dem Jungen in den Raum führen.

Die alte Dame sah auf und hört sofort auf zu singen. Sie sprang erfreut auf, rief etwas auf arabisch und griff nach James Hand. Immer wieder zog sie aufgeregt daran, sie wollte wohl das er sich setzt. James kam ihrem bitten nach und setzte sich neben die Büste.

Die Frau rief dem Jungen etwas auf arabisch zu und er verschwand hinter einem Teppich in einen Nebenraum. Sekunden später war er schon wieder da und hatte ein Tablett mit Tee in der Hand. „Ich übersetze ihnen“ sagte der Junge und die alte Dame fing an auf arabisch zu erzählen.

 

Sarah und Giovanni konnten kaum glauben, was James ihm da erzählte. Um 6Uhr früh war er wieder auf dem Schiff eingetroffen und hatte sie sofort geweckt.

„Ich kann es nicht fassen, das sie wirklich glaubt ich wäre ihre wiedergeborene Tochter“, sagte Sarah. „Die Ägypter glauben sehr stark an die Wiedergeburt und für sie ist es etwas völlig natürliches. Vielleicht sollten wir tatsächlich nicht die Augen vor solchen Dingen verschließen. Nur, weil wir es aus unserer Kultur nicht kennen, muss es ja nicht falsch sein.“, erwiderte Giovanni. „Ja, Du hast sicherlich Recht“, antwortete Sarah, „Und es wäre natürlich auch eine Erklärung, warum ich mein ganzes Leben immer von Ägypten geträumt habe“, sagte sie nachdenklich. „Wir sollten zu ihr gehen und uns auch noch einmal alles erklären lassen.“

„Sie würde sich sehr freuen, wenn ihr sie besucht“, erwiderte James. „Sie wünscht sich nichts sehnlicher als Dich zu sehen und Dir Dein Land zu zeigen.“

Die drei gingen zu der alten Dame, die, wie sie nun wussten Dilara hieß und Moseh, ihrem Urenkel und ließen sich alles erklären.

Sie hatten ganze 3Tage mit Dilaras Familie in Alexandria bevor sie wieder aufbrechen mussten um das Erbe der Pharaonen zu finden. Für Sarah war es die bisher schönste Zeit in ihrem Leben und sie versprach, einmal wieder nach Alexandria zu kommen. Sie hatte doch das Gefühl, das an der Wiedergeburt etwas wahres sein könnte.

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