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Reisereporter katharina

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der Mann & das Meer

Ich arbeitete mit Mike im gleichen Büro in Berlin. Privat waren wir ein nicht besonders glückliches Paar, die Luft war schon lange raus, beiderseits. Vor allem die enge Beziehung zu seiner Mutter machte mir ein wenig zu schaffen. Ich weiß, im Leben kann man nicht alles haben. Aber irgendwann, vielleicht mit 30 zusammen in eine eigene Wohnung ziehen, lag doch eigentlich im Bereich des Machbaren. Auf Dauer gesehen war sein Zimmer bei Mutti einfach zu klein. Wie  auch bei all den anderen „Versuchen“ vor ihm gab es den einen oder anderen Trennungsgrund. Ich war mit meinem Latein am Ende und fragte mich ernsthaft: „Sollte ich meine Erwartungen vielleicht ein klein wenig hinunterschrauben und einfach mit dem Nächsten unendlich viele Kompromisse eingehen (wobei die Betonung auf ich lag) oder war die Lösung noch einfacher, keinen Mann mehr als potentiellen Vater für meine Kinder in Betracht zu ziehen?“Ich war schon lange auf der Suche nach dem ultimativen Glück.

Wie sagte meine Oma so schön: „Kleines, gut Ding will Weile haben.“

„Wie viel Weile denn noch?“ fragte ich mich schon lange.

Meine so genannten Versuche den Partner fürs Leben zu finden, waren schon eine

Herausforderung schlechthin. Meine geliebte Oma hatte noch mehr ihrer unverzichtbaren Weisheiten auf Lager. Eine gefiel mir immer besonders gut „Aus einer schönen Schüssel isst man nie alleine“.

Meine schöne „Schüssel“ hieß Matthias, der war  Adonis höchst persönlich, aber noch mehr war dieses Exemplar dem Alkohol zugetan und dem betörenden Gesäusel liebreizender Damen in heißen Disconächten.

Nach Adonis war mir vorerst die Lust auf Schönes vergangen. Ich will nicht behaupten, dass

danach der Glöckner von Notré Dame kam, aber viel fehlte nicht. Wie die Ironie so spielt, scheiterte aber auch diese Beziehung -man glaubt es kaum- an seiner Untreue.

Und so zogen sich meine missglückten Eroberungen wie ein roter Faden durch mein junges Leben. Keine Frage, auch solche Begegnungen sind sehr lehrreich. Im besten Fall weiß man danach genau, was man nicht mehr will.

Wo waren wir eigentlich vor meinen Gedankensprüngen? Ach ja, bei Mike. Er machte mir spontan den Vorschlag, zu einem Geburtstag zufahren. Ich sagte zu und so zogen wir am 3.August 1999 los.

Wir fuhren nach Potsdam. Als wir dort ankamen, war ich ein wenig verblüfft. Es war schon irgendwie witzig. In unmittelbarer Nähe befand sich das Internat, das ich einige Jahre zuvor besucht hatte, um meine Lehre zu machen. Tür an Tür, so zu sagen. Da standen wir nun im Garten eines schönen Wohnhauses. Einige Meter daneben befand sich die familieneigene Pension mit Gaststätte. Wie praktisch, dachte ich, da lässt es sich bestimmt gut feiern. Da wir nicht gerade zeitig ankamen, war die Stimmung unter den Gästen schon ganz nach der Devise: „Je später die Feste, um so toller die Gäste.“  Wir gingen also in einen  so genannten Partyraum. Dort gefiel es mir recht gut. Es war weder zu hell noch zu voll. Ich setzte mich auf eine schwarze Ledercouch. Kurz darauf verschwand Mike mit den Worten er wolle nur mal kurz weg. Da saß ich nun auf einer Geburtstagsfeier, bei der ich noch nicht einmal das Geburtstagskind kannte (geschweige denn den Namen oder das Geschlecht, das ich schlicht und einfach vergessen hatte) in der Hoffnung, das Mike baldmöglichst zurück kam oder mir unbekannterweise das Geburtstagskind über den Weg lief, dem ich die Hände schüttelnd, ein Geburtstagsplausch aufdrücken konnte, um anschließend einiges an Essen und Trinken zu verdrücken und dann wieder zugehen.

Um meine Oma mal wieder einzubringen: wie heißt es doch so schön? „Es kommt immer alles anders als man denkt.“ Als ich meinen Gedanken so nachging, setzte sich plötzlich jemand neben mich, und als ich aufschaute, dachte ich mich trifft der Schlag.

Er war genau der Typ Mann, bei dem mir meine sonst so schlagfertig Art, buchstäblich im Halse stecken blieb. Volles, dunkelblondes kurzes Haar, graublaue, Augen und einen Wahnsinns Schmollmund.

Er war mir gleich so vertraut. Ich fand ihn unverschämt charmant und fühlte mich in seiner Nähe wohl. Wir unterhielten uns über alles Mögliche.

Er war gerade dabei mir zu erzählen das seine Freundin schon gegangen war, als Mike kam, freudestrahlend Sandro- so hieß er- umarmte und ihm zum Geburtstag gratulierte.

Tolles Fettnäpfchen. Vor lauter Balzen hatte ich die Geburtstagsfeier ganz vergessen und als ob das nicht schon peinlich genug war, schmeichelte mir Mike, wo er nur konnte und knutschte mich wild ab. Alles vor den Augen von Sandro, meinem absoluten Traummann.

Kurz darauf verabschiedete sich Sandro von uns mit den Worten, dass er sich um seine anderen Gäste kümmern müsse. Als er ging sah ich ihm minutenlang hinterher, in der Hoffnung, ich würde ihn jemals wieder sehen. Wenige Minuten später verließen auch wir das Fest. In diesem Moment wusste ich, dass es nicht leicht sein würde ihm näher zukommen. Schließlich waren wir beide gebunden und Sandro war ein Freund von Mike. Nicht gerade die idealste Voraussetzung um ihn als Mann fürs Leben zu gewinnen.

Es sollte wohl noch nicht sein, dachte ich mir.

In den Tagen darauf ging es mit Mike in Freundschaft auseinander. Trennungen hatten für mich immer so einen bitteren Beigeschmack. Das Schlimmste aber war die Tatsache, dass ich mich unsterblich in Sandro verliebt hatte und ihn unbedingt wieder sehen wollte.

Das hieß für mich im Klartext abwarten und auf ein Wunder hoffen.

Frühjahr 2001, mittlerweile waren schon anderthalb Jahre vergangen.

Mit Mike hatte ich seit der Trennung guten Kontakt. Wir telefonierten manchmal, und ab und an gingen wir auch zusammen aus. Ich vertraute ihm.

Immer dann wenn er von den Abenteuern seiner Freunde berichtete, machte mein Herz einen Sprung, denn dann kam Sandro ins Spiel. Ich genoss es sehr, von ihm zuhören. Mir wurde klar, dass ich etwas unternehmen musste. So konnte es nicht weitergehen.

Eines Abends saß ich mit Mike bei einem Glas Wein zusammen. Ich kam auf Sandro zu sprechen und ich erzählte ihm, das mir Sandro damals sympathisch gewesen war. Mike war sehr überrascht, und laut ihm war Sandro nach wie vor in einer Beziehung. Er versprach mir, ihn zu grüßen.

An diesem Abend sah ich meine Hoffnungen schwinden. Ich musste mich wohl oder übel damit anfreunden, seit fast zwei Jahren unglücklich verliebt zu sein.

In den darauf folgenden Treffen gab mir Mike noch klarer zu verstehen, dass Sandro keinerlei Interesse an meiner Person hatte. Er konnte sich wohl weder an mich erinnern, noch wollte er meine Grüße erwidern.

Das passte nicht in meinen Kopf. Er war doch damals so nett zu mir gewesen. Notgedrungen gab ich mich mit Mikes Auskunft zufrieden.

Aber irgendwie hatte ich ein mulmiges Gefühl. Immer wenn ich mit Mike darüber redete, sagte er mir, ich sollte mir das endlich aus dem Kopf schlagen. Es wäre nur zu meinem Besten.

Das waren dann seine Standartsätze, wenn das Thema aufkam. Sollte er mich etwa belügen?

Natürlich lernte ich auch genügend andere Männer  kennen. Allerdings konnte niemand  Sandro auch nur ansatzweise das Wasser reichen. Ich hatte solche Sehnsucht nach ihm.

Es war auch ganz und gar nicht meine Art, so schnell die Flinte ins Korn zu werfen. Ich war gewohnt, mir grundsätzlich alles im Leben hart erkämpfen zu müssen; was sich im nach hinein nicht unbedingt als verkehrt herausstellte. Warum sollte es diesmal anders sein?

Es ging hier schließlich um das große Glück, zu meinem Topf den passenden Deckel zu finden. Da dieser Deckel auch noch die Krem de la Krem für mich war, war es doch Glas klar, das ich so ein Glück auch hier nicht einfach hinterher geschmissen bekam.

Mein Plan war einfach. Er sollte mich persönlich kennen lernen.

Ich hatte ja nichts zu verlieren.

Von Mike wusste ich, dass ein paar seiner Freunde -unter anderem auch Sandro- jedes Jahr zu Pfingsten ans Meer fuhren. Wohin genau wusste ich nicht. Ich musste also mit Mike sprechen.

Auch wurde es höchste Eisenbahn etwas zu unternehmen. Mittlerweile waren seit dem Abend mit Sandro schon dreieinhalb Jahre vergangen.

Als ich Mike offenbarte was ich vorhatte, viel er aus allen Wolken. Es lagen sage und schreibe zwei Stunden wildester Argumentation vor mir. Er wollte mich von meinem Vorhaben abbringen. Er versuchte es auf biegen und brechen. Ich solle doch an das viele Ungeziefer beim Zelten denken, welches mir in der Nacht über Gesicht laufen würde, und erst das Niveau der Männer. Schließlich würde jeder von ihnen tief ins Glas schauen wollen, es war ja schließlich Pfingsten.

Was hatte Mike für eine  Vorstellung? Selbst wenn die fetteste Spinne über mein Gesicht laufen würde, für Sandro am nächsten Morgen neben mir liegend würde ich es in Kauf nehmen und alles wäre vergessen. Solche fadenscheinigen Gründe. Ihm musste doch langsam klar werden, wie wichtig es mir war.

Ich machte Mike klar, dass ich mit allerhöchster Wahrscheinlichkeit mitkommen würde. Er hatte die Wahl. Entweder nahm er mich mit oder er gab mir die Telefonnummer seiner Freunde. Bestimmt hatte einer von ihnen noch einen Platz für mich frei. So oder so, ich wollte mit.

Nach einigen Überlegungen seinerseits bot er mir an, mit ihm zu fahren.

Es war soweit, Pfingsten 2003.

Mike stand schon seit einer halben Stunde vor meiner Tür, als ich nach Hause kam. Ich wurde durch eine Besprechung im Büro aufgehalten.

Mit toller Urlaubslaune und bestem Wetter trafen wir also auf Sandro und die Anderen.

Da stand er nun, dreieinhalb Jahre später. Es war unglaublich. Er sah noch besser aus als ich ihn in Erinnerung hatte. Ich war so aufgeregt, mein Herz schlug mir bis zum Hals und meine Hände waren schweißgebadet. Es war wie damals.

Wir begrüßten uns alle kurz und schon ging die Fahrt ins Ungewisse los. Ich schwor mir alles dafür zutun, nicht noch einmal soviel Zeit vergehen zulassen.

Diesmal musste es der richtige Zeitpunkt sein.

Als wir dort ankamen war es schon so dunkel, dass man die Hand vor Augen kaum sehen konnte. Einige von ihnen waren schon vorgefahren um die Zelte aufzubauen.

Es waren jeweils Ein-, Zwei- und Viermannzelte da. Die Meisten waren auch schon belegt. Also ging abends noch das Pokern um die Verteilung der restlichen Schlafplätze los. Natürlich hoffte ich insgeheim um den besten Platz. Der war für mich neben Sandro. Wie sich aber leider auch heraus stellte, war ich damit nicht allein.

Nicki, so hieß die Gute hatte wohl auch schon seit einiger Zeit ein Auge auf ihn geworfen. Warum sollte es auch so einfach für mich sein? Das passt doch nicht. Jetzt hatte ich es schon so weit geschafft. Ich war in seiner Nähe, jedenfalls näher als in den vergangenen Jahren. Schon deshalb war mir klar, das ein einfaches „Hallo hier bin ich, willst du mit mir gehen?“ nicht ausreichen konnte. Eine Konkurrentin war da noch das kleinste Übel. Bei einer Sahneschnitte wie ihm musste es ja so kommen.

Mich wunderte die Aufteilung der Zelte kaum. Sandro, Mike, Nicki und ich in einem Zelt.

Ich konnte in dieser Nacht kaum schlafen. Er lag neben mir und ich hörte ihn leise atmen.

Am nächsten Morgen frühstückten wir alle zusammen. So gegen 10 waren fast alle unten am Strand. Einige sonnten sich, andere spielten Volleyball.

Ich war gerade dabei etwas zu trinken, als sich Peter, einer der Jungs zu mir setzte und mir vorschlug mit dem Boot raus zu fahren. Ich sagte zu.

Peter war mir sympathisch. Wir waren schon  ziemlich lange auf See, als ich merkte, dass ich ziemlich starke Kopfschmerzen bekam. Ich bat ihn, mich zurück an Land zubringen.

Am Strand angekommen brachte mich Peter zu den Zelten. Sandro kam zu uns und fragte mich wie es mir ginge. Viel konnte ich nicht mehr sagen. Ich hatte einen so heftigen Sonnenstich, dass mir extrem übel war. So sollte er mich nicht gerade sehen. In unserem Zelt konnte ich nicht bleiben, da dort einige am Kartenspielen waren. Also wurde ich kurzer Hand umquartiert.  Das Zelt von Danny, den ich bis dahin noch gar nicht kannte, sollte nun für einige Stunden mein Lazarett sein. Nach einigen Litern Wasser und zwei Aspirin schlief ich fest ein.

Irgendwann am Abend wachte ich auf. Es ging mir schon wesentlich besser, als ich das Zelt verließ. Mike kam mit einem Schmunzeln auf den Lippen zu mir. Er fragte mich nach meinem Befinden und nach Danny. Woher zum Teufel sollte ich das wissen? Ich konnte ihm nicht ganz folgen. Mike sah mich grinsend an, und klärte mich auf. Als Sandro gegen Nachmittag nach mir sehen wollte, lag ich in Dannys Armen im Zelt.

Als er mir das erzählte, musste ich mich setzen und tief durchatmen.

Ich konnte es einfach nicht glauben. Ich hatte so fest geschlafen, dass selbst King Kong mich nicht hätte aufwecken können.

Am Abend bekam ich mit, das einige in die Stadt wollten. Ich hatte nach dem Tag keine Lust mehr auf Überraschung jeglicher Art und  so entschied ich mich zu bleiben.

Der Himmel war voller Sterne und der Mond schien aufs Wasser. Es war einfach traumhaft. Ich hatte mich an den Strand verdrückt um einfach mal abzuschalten, als plötzlich jemand in der Dunkelheit auftauchte. Es war Sandro.

Er setzte sich neben mich und wir schwiegen uns an.

Nach einer ganzen Weile fingen wir an zu reden, und schon spürte ich sie wieder, diese absolute Vertrautheit.

Ich nahm all meinem Mut zusammen, und gestand ihm meine Liebe.

Er sah mich erleichtert an, und drückte mich ganz fest an sich.

Sandro war es die ganzen Jahre genauso ergangen. Er hatte sich damals in mich verliebt, und sich Mike anvertraut. Er ließ mich grüßen und hoffte auf ein Zeichen.

Genau wie meine Hoffnung schwand damals auch seine, bis Pfingsten 2003.

Er ließ Mike keine andere Wahl, außer mich mit zu nehmen.

Die Sache mit Danny klärte sich schnell auf.

Wir zogen schon zwei Wochen später zusammen. Nach einigen Schwierigkeiten im Freundeskreis, welche nur unwesentlich mit unserem gemeinsamen Freund Mike (wie sollte es anders sein) zu tun hatten, sind wir nach wie vor sehr glücklich.

Wir haben uns mit viel Mühe ein altes Haus saniert, in dem wir mit unserem süßen Sohn Vicénzo und unserem Hasen Luzi leben. …  

 

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